2026 war das Jahr, in dem das Wetter die Regeln vorgab. Das Sommerhalbjahr war in der Schweiz und in weiten Teilen Europas das trockenste seit Messbeginn. Was auf dem Halterhus durchkam und was nicht, hing davon ab, wie tief die Wurzeln reichten.
Dazwischen: der schönste Weideaustrieb seit Jahren und ein Platz unter den Top 50 Farmers.
Januar 2026
Seit ich Landwirt bin, mag ich den Winter deutlich mehr. Ohne laufende Feldarbeiten ist der Druck kleiner, wetterbedingt handeln zu müssen.
Weniger Arbeit ist es deswegen nicht. Maschinen werden gewaschen und instand gestellt, es wird geholzt, Bäume geschnitten, die Buchhaltung gemacht und an Umbauprojekten gearbeitet.
Dazu kommen die Kurse und Tagungen, an denen ich als Referent über Bodenmikrobiologie, Blattsaftanalysen und bodenbelebende Düngung berichte. Und ich bilde mich selbst weiter, vor allem über privat organisierte Kurse.
Im Herbst davor war Raphael aus Belgien auf seiner Europa-Rundreise hier, auf der er gezielt Betriebe besucht, die regenerativ arbeiten. Daraus wurden zwei Videos: eines darüber, was Komposttee ist und wie er sich mit Blattsaftanalysen und gezielter Spurenelement-Düngung kombinieren lässt, und eines über den Aufbau unseres Komposttee-Brausystems.
März 2026
2026 wurde ich in die Top 50 Farmers gewählt, eine europäische Auswahl von Betrieben, die regenerativ wirtschaften.
Wichtiger als der Titel ist die Gruppe dahinter. Vom kleinen Familienbetrieb bis zur grossen Ackerfläche verbindet uns dasselbe Ziel: Bodengesundheit fördern und Artenvielfalt zurückbringen. Geteilt werden dort Fehler genauso wie Erfolge.
Im Porträt geht es um die 18 Hektaren, die Mutterkühe und darum, warum ich Mob Grazing, Gründüngungen und wenig Bodenbearbeitung kombiniere.
April 2026
Am 5. April öffnete ich die Stalltür, und die Aubracs stürmten auf die Weide.
Aus den letzten Jahren habe ich gelernt, die Kälber zuerst zurückzuhalten. Die Mütter vergessen in der Aufregung alles um sich herum, und wenn die Kälber verwirrt hinterherrennen, werden Zäune überrannt.
Also liessen wir die Mütter ihre Freude ausleben. Zwei, drei Runden galoppieren, springen, den Kopf ins Gras strecken. Nach etwa zwanzig Minuten hielt die erste inne: Wo sind eigentlich unsere Kinder? Eine nach der anderen ging zurück in den Stall und führte ihr Kalb ruhig hinaus.
Dieses Jahr überrannte nur ein einziges Kalb den Zaun, und es blieb in der Herde.
Mai 2026
Nach ein paar Tagen Eingewöhnung ans frische Gras stellte ich so früh wie noch nie auf Vollweide um. Die trockenen Bedingungen waren ideal dafür. Seit dreissig Tagen waren die Tiere Tag und Nacht draussen.
Ich lasse die Kuh lieber selbst auf der Weide arbeiten, als ihr das Futter zu bringen und die Gülle nachher wieder aufs Feld zu fahren.
Beim Mob Grazing bekommen die Tiere morgens und abends eine neue Portion frisches Gras. Die Ration bleibt ausgeglichen, und die Weide erholt sich für die nächste Rotation, die in zwei bis drei Tagen beginnt.
Mai 2026
Der WWF organisierte und sponserte einen Brunch bei uns, davor eine Führung mit Einblick in die Arbeit rund um Humus und Bodenmikrobiologie.
Beim Brunch servierten Sinmei und ich eine Mischung aus Tradition und Exotik, mit dem Schwerpunkt Fermentation. Dasselbe Prinzip wie im Boden, nur auf dem Teller. Wer wollte, durfte auch unseren hausgemachten Komposttee probieren.
Juni 2026
Anfang Juni fand auf dem Gurten bei Bern zum ersten Mal die Soil Evolution in der Schweiz statt, eine Fachveranstaltung rund um Bodenfruchtbarkeit und konservierende Landwirtschaft. Organisiert haben sie Swiss No-Till, Boden.Leben aus Österreich und die GKB aus Deutschland.
Aus diesem Anlass besuchten mich Mitglieder der European Alliance for Regenerative Agriculture auf dem Hof, einem Netzwerk, dem ich seit dem Vorjahr angehöre. Es wurde ein Tag mit guten Gesprächen und einem Einblick in das, was hier täglich läuft.
So hart es klingt: Gerade Extremsommer wie dieser treiben den Wandel voran. Immer mehr Landwirte suchen Wege, mit der Natur zu arbeiten statt gegen sie.
Juli 2026
In der Schweiz und in weiten Teilen Europas war das Sommerhalbjahr 2026 das trockenste, seit gemessen wird. Wer in diesen Wochen eine Regenwolke sah, schaute zweimal hin.
Genau für solche Jahre arbeite ich seit über sechs Jahren am Humusaufbau und daran, das Wurzelwachstum zu stärken. Auf der Weide zeigte sich, dass es trägt: Mob Grazing, eingesäte Kräuter wie Spitzwegerich und Chicorée und eine Vielfalt an Klee- und Luzernearten halten die Weide auch in trockenen Phasen zusammen. Wenn ein kleines Gewitter durchzog, reichte es jeweils knapp.
Nicht alles kam gleich gut durch. Die Ackerbohnen haben gelitten, vor allem in der ersten Hitzephase war es schlicht zu heiss. Sie bildeten weniger Schoten und reiften früh ab. Ein deutliches Zeichen, was anhaltende Hitze im falschen Moment anrichtet.
Hafer und Weizen dagegen fielen beide sehr gut aus. Die Weizenernte war fünfzehn Minuten vor einem starken Regenschauer im Trockenen, weil zwei Drescher gleichzeitig aufs Feld konnten. Danke an die Bucher Ernte-Technik aus Ruswil für den kurzfristigen Einsatz.
Oktober 2026
Dank der frühen Weizenernte und der sofortigen Aussaat der Gründüngung hatten die Kühe früh zusätzliche Weidefläche. In der Mischung: Sonnenblume, Rettich, Alexandrinerklee, Lein und vor allem Sorghum. Alles Arten, die auch bei Trockenheit wachsen, viel Wurzelmasse bilden und die langen Sommertage nutzen.
Die Photosynthese ist der wichtigste Weg, auf dem CO2 aus der Luft verschwindet. Die Pflanze nimmt es über die Blätter auf und baut mit der Energie aus dem Sonnenlicht Zucker daraus. Der Sauerstoff, den sie dabei abgibt, stammt aus dem Wasser.
Neu ist, was die Forschung über die Bedeutung fürs Bodenleben zeigt. Einen erheblichen Teil dieses Zuckers schickt die Pflanze durch die Wurzeln direkt in den Boden und füttert damit die Mikroorganismen. Je länger etwas Grünes auf dem Feld steht, desto länger läuft diese Pumpe.
Die Mikroorganismen leben davon, vermehren sich und sterben wieder. Ein Teil ihrer Überreste lagert sich an Tonpartikel an, und dort bleibt der Kohlenstoff über Jahre bis Jahrzehnte liegen. Von allem, was hineinkommt, bleibt nur ein kleiner Teil hängen. Dieser Rest macht aber den Grossteil des stabilen Kohlenstoffs im Boden aus.
Gleichzeitig verkleben die Mikroorganismen mit ihren Schleimstoffen die Bodenteilchen zu Krümeln. Darum riecht ein lebendiger Boden gut und lässt sich zwischen den Fingern zerreiben.
«Humus» ist eigentlich der falsche Begriff. Früher dachte man, darin steckten eigene, besonders stabile Stoffe. Das hat sich nicht bestätigt. Was zählt, ist die Menge organischer Kohlenstoff im Boden. Ein Teil davon wird schnell wieder abgebaut und versorgt die Pflanzen mit Nährstoffen, der andere bleibt lange liegen.
Die Gründüngung hat nebenbei die Mutterkühe ernährt, und sie haben es geliebt. Das Sudangras wurde Biss für Biss von oben nach unten abgefressen. Was liegen blieb, kam den Regenwürmern zugute.
So ist die Mutterkuh bei uns Teil der Fruchtfolge. Sie hilft den Ackerkulturen, die wir vor allem für die menschliche Ernährung anbauen.
Das sind viele kleine Massnahmen. Zusammen machen sie aus, dass wir auch ein solches Jahr ohne Bewässerung überstehen.
Oktober 2026
Zugegeben, wenig. So weit ist die Klimaerwärmung noch nicht, dass ich hier einen Olivenhain anlege.
In meiner Beratung für Blattsaftanalysen konnte ich einem Kollegen helfen, der vor einigen Jahren nach Spanien ausgewandert ist. Er bat mich, die Analysen seines Olivenhains zu lesen und daraus Düngungsmassnahmen abzuleiten. Aus Zahlen und Blättern eine Sprache zu machen, die dem Boden und den Bäumen nützt, ist genau das, was ich gerne tue.
Auch in Spanien läuft im Umgang mit dem Boden vieles falsch. Das Projekt zeigt, dass es anders geht, und zwar in einem trockenen, anspruchsvollen Klima, damit diese Bäume noch achtzig bis hundert Jahre Oliven tragen.