2025 war das Jahr der ersten Male. Zum ersten Mal gingen Mutterkühe mit ihren Kälbern auf die Alp. Zum ersten Mal konnten wir Haselnüsse ernten. Und zum ersten Mal seit über siebzig Jahren landete ein Storch auf unseren Feldern.
Dazwischen habe ich eine Kultur aufgegeben, eine Weide umgebaut und viel darüber gelernt, warum im Boden ausgerechnet der Kohlenstoff fehlt.
Januar 2025
Coop stellt lieber schwarze Bio-Bohnen aus China ins Regal als solche aus der Schweiz. Die Begründung: Es sei ein Nischenprodukt, ein zusätzlicher Regalplatz liege nicht drin. Auf die günstige Importware will man nicht verzichten, aus Angst, Kunden an die Migros zu verlieren.
Ohne einen Grossverteiler ist der Absatz für die Biofarm zu klein. Also stelle ich den Anbau ein. Wie viele andere auch.
Den Nischenkulturen geht es reihum gleich: Buchweizen, Quinoa, Amaranth. Auch beim Hafer steht neben der Schweizer Bio-Ware oft Importware. Der Grund ist immer derselbe. Diese Kulturen haben keinen Grenzschutz. Geschützt werden Weizen, Kartoffeln und Zuckerrüben, also die Massengüter.
Für eine breite Fruchtfolge, für Artenvielfalt und für die Bodenfruchtbarkeit ist das verkehrt herum gedacht.
Hier würde ich mir mehr von Bio Suisse wünschen. Der Verband gehört über die kantonalen Bio-Organisationen den Bauern, verdient seinen Grossteil aber über Lizenzgebühren von Coop und Migros. Dieses Abhängigkeitsverhältnis sieht man den Entscheiden an.
März 2025
Die Solaranlage läuft seit September 2024. Selbst an bewölkten Wintertagen liefert sie oft genug Strom für drei Haushalte und den Hof. Mit Batterie und einer Steuerung, die den Verbrauch nach der Produktion richtet, lag der Eigenverbrauch in den schlechtesten Monaten des Jahres bei 83 Prozent.
Das grosse Scheunendach liegt trotzdem brach. Die Zuleitung von der Trafostation ist zu schwach, und eine Verstärkung rechnet sich nicht, solange der Einspeisepreis so tief ist.
Gleichzeitig wird mit viel Werbung dafür geworben, alpine Landschaften mit Panels zu bestücken. Auf bestehenden Dächern liegt das Potenzial längst da. Würde der Strom dort produziert, wo er verbraucht wird, bräuchte es den Netzausbau gar nicht.
Mai 2025
Beim Mob Grazing weiden die Kühe auf kleinen Flächen mit Futter für einen Tag. Bei uns stecke ich jeden Tag eine neue Parzelle ab.
Wo gefressen wird, wird auch gekotet. Steuern lässt sich das nicht. Entscheidend ist für mich etwas anderes: ob der Kot auf kurz abgefressenes oder auf hohes Gras fällt.
Im hohen Gras wirkt es zuerst wie ein Verlust. Die Kühe fressen aber trotzdem noch das obere Drittel, und der Kot bleibt auf den Halmen liegen. Dort ist er besser belüftet, wird schneller von Insekten besiedelt und zersetzt sich rascher. Im nächsten Durchgang wird genau dort besser gefressen, und vom Kot ist kaum mehr etwas zu sehen. Nur sehr fruchtbare Erde.
Für die Kälber passt das System ebenfalls. Sie kommen täglich auf frische, parasitenfreie Parzellen. Die Herde kommt damit ohne Entwurmungsmittel aus, was dem Bodenleben zugutekommt. Dort leben unzählige nützliche Nematoden, die solche Mittel stark schädigen.
Zwei Dinge sind wichtig. Das Gras darf nicht zu tief abgefressen werden, damit der Boden bedeckt bleibt. Und der hintere Zaun muss nachgezogen werden, damit frisch ausgeschossenes Gras nicht zu früh dran glauben muss. Danach braucht die Fläche vier bis sechs Wochen Ruhe, damit das Gras Energie in die Wurzeln schicken kann.
Mai 2025
Zwischen den Weizenhalmen blüht Phacelia, gleichmässig über das ganze Feld verteilt. Dazwischen die roten Tupfer vom Inkarnatklee. Das ist keine Mischkultur, sondern eine Untersaat, die zusammen mit dem Weizen gesät wurde.
Beide mögen es warm. Bleiben sie im Herbst klein, überwintern sie gut, und der Weizen startet im Frühjahr früher durch. Konkurrenz macht ihm die Untersaat damit kaum.
Dafür haben Bestäuber mitten im Getreidefeld etwas zu holen, und der Boden ist tiefer durchwurzelt. Unterstützt wurde der Versuch von BienenSchweiz.
Juni 2025
Meine Guschti, also die jungen Rinder, bevor der Stier zu ihnen darf, verbringen den Sommer seit Jahren auf einer Weide bei einem anderen Betrieb. So bleiben sie getrennt vom Muni, bis sie alt genug sind.
Dieses Jahr konnte ich zum ersten Mal auch Mutterkühe mit Kälbern auf eine Alp schicken, auf die Berglialp im Glarnerland. Dort wartet eine vielfältige Alpenflora mit Kräutern, Gräsern, Sträuchern und Tannen.
Der Aufstieg dauerte rund anderthalb Stunden. Am Anfang waren alle motiviert, dann wurde das Tempo gemächlicher. Mit ein paar Pausen und schnaufenden Kühen kamen wir oben an.
8'950 Kilo Hafer auf 1.8 Hektaren
Juli 2025
Die Aussaat im Herbst lief unter schlechten Bedingungen. Umso zufriedener bin ich mit dem Ertrag: 8'950 Kilo Speisehafer auf 1.8 Hektaren. Daraus werden Schweizer Haferflocken fürs Müesli.
September 2025
Im September durfte ich einer Gruppe Landwirte unser Salatbuffet zeigen, eine Weide voller Kräuter. Es ging um den Nutzen von Chicorée und Spitzwegerich auf der Weide und um den richtigen Umgang damit.
Unterstützt wurde der Nachmittag von Manuel Winter von Change Grazing, der seine langjährige Erfahrung einbrachte. Gefreut hat mich auch, dass Maarten Sillekens von Pure Graze dabei war, von dort stammt das Saatgut. Organisiert hat die Veranstaltung Regenerativ Schweiz.
Was hinter der Mischung steckt: Chicorée gibt mehr Wurzelexudate ab als Gras und fördert damit Bodenstruktur und Bodenleben. Und das Jena-Experiment zeigt, dass höhere Pflanzenvielfalt die Bodenqualität verbessert und mehr Biomasse bringt.
Spannend wird es beim Fett. Untersuchungen, auf die Mutterkuh Schweiz verweist, zeigen bei kräuterreichen Weiden höhere Omega-3-Gehalte im Fleisch. Nicht weil die Kräuter mehr Omega-3 liefern, sondern weil Substanzen aus den Kräutern die Fettsäuren davor schützen, schon im Pansen abgebaut zu werden.
Oktober 2025
Die Kürbisernte war dieses Jahr sehr gut. Eingesetzt habe ich eine neue EDAPRO-Mischung: Fulvinsäuren als direkte Kohlenstoffquelle für die Bakterien, Komposttee für die mikrobielle Vielfalt und organischen NPK-Dünger.
Das Grundproblem ist simpel. CO2 haben wir in der Luft im Überfluss, im Boden fehlt den Mikroben der organische Kohlenstoff. Stickstoff brauchen sie als Zellbaustein, zum Wachsen brauchen sie aber das Sechs- bis Fünfzehnfache an Kohlenstoff.
Ein aktives Bodenleben bindet die zugeführten Nährstoffe, statt dass sie verloren gehen. Und es versorgt die Pflanze auf einem Umweg: Pflanzen nehmen Bakterien über die Wurzeln auf, bauen sie ab und geben sie wieder frei. Rhizophagie heisst das. Das war auch für mich neu.
Oktober 2025
Dieses Jahr gab es die allerersten Haselnüsse. Gepflanzt wurden die Bäume im Herbst 2020, veredelt im Frühling 2024. Fünf Jahre bis zur ersten Ernte.
Oktober 2025
Nach der Rekordernte 2023 und vollen Lagern durfte ich dieses Jahr wieder eine kleine Fläche Hirse anbauen. Ich schätze sie in der Fruchtfolge. Neunzig bis hundert Tage Vegetationszeit geben Spielraum, Bodenbearbeitung und Saat lassen sich bei guten Bedingungen erledigen.
Hirse ist dankbar. Sie kommt mit wenig Nährstoffen aus, ist robust gegen Schädlinge und Krankheiten und steckt Hitze und Trockenheit weg.
Was fehlt, ist der Absatz. Viele kennen Hirse kaum. Dazu importieren die Grossverteiler lieber günstige Knospe-Hirse und verkaufen sie mit guter Marge, obwohl es genug Schweizer Hirse gäbe. Hirse unter einem anderen Bio-Label bringt Bio Suisse keine Lizenzeinnahmen, Druck auf die Grossverteiler gibt es trotzdem keinen.
Beim Einkauf lohnt sich der Blick aufs Schweizer Kreuz.